Festivalreporterin
Viola Semper war beim 21. SZENE BUNTE WÄHNE Theaterfestival als rasende Festivalreporterin fast überall dabei. Was sie alles erlebt hat und wie sie das gefunden hat, können Sie hier nachlesen.
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Festivalreportage
Zum 21. Mal fand es nun schon statt, das SZENE BUNTE WÄHNE Theaterfestival für junges Publikum. Schade nur, dass sich die Jugendlichen kaum blicken lassen und die Besucher von der ganzen Umgebung kommen, während aus Horn, wo doch so einige Theaterstücke stattgefunden haben, kaum einer war.
Ich selbst bin seit vielen Jahren in Horn bei fast jedem Stück mit dabei und dieses Jahr waren die Theaterstücke zumindest am ersten Wochenende immer voll besetzt, was man von den letzten Jahren leider nicht sagen konnte. Woran das liegt, frage ich mich immer wieder. Am mangelnden Angebot sicher nicht! Von Stücken für die ganz Kleinen, über Lachrezepte für jung und alt, bis hin zu kritischen Anreißern für Jugendliche, fehlte nichts. Warum also bleiben die Jugendlichen, die doch eigentlich das Zielpublikum wären, fern?
Auch beim Theater und gerade bei SZENE BUNTE WÄHNE kann man gefesselt sein von der fiktiven Welt des Stücks und mitfiebern, wie so mancher anderer es vielleicht beim Lesen eines Krimis oder beim Sehen eines guten Films tut. Aber ja, das Denken wird auch gefördert, ist das an einem Wochenende vielleicht zu viel verlangt? Dabei wurden das Festival und die Stücke ja gerade den Wünschen der Jugend angepasst. Party, Stimmung, gute Laune! Das Stück „HeldInnen“ hätte in fast jeder Familie spielen können, „In mir ist ein Tornado“ trifft mit so manchen dargestellten Gefühlen der Jugendlichen den Nagel auf den Kopf. „Nachbar auf Urlaub“ brachte junges und etwas älteres Publikum zum Lachen – man muss sich nur darauf einlassen. Und abends ließ die musicbox keine Zeit für Langeweile.
Gute Stimmung zog sich durch das ganze Festival, die Gäste strömten aus weiten Entfernungen herbei, alte Hasen im Theater und neue Gesichter ließen sich blicken, um die gut gewählten Stücke zu sehen – Nur die jungen Leute aus der Region fehlten. Die Frage ist nur, wie kann man sie dazu bringen, nächstes Jahr einmal ihre Nasen in die wunderbare Welt des Theaters zu stecken?
Meter zum Quadrat
Wenn der Mensch selbst zur Kunst wird und Kunst einen zum Staunen, den Atem anhalten und Weinen bringen kann – muss ich Oscar Wilde widersprechen, der gesagt hat: “All art is quiet useless”. Kegel, Bälle, der Bühnenboden selbst wurden für Kunststücke benutzt, wodurch natürlich der Spielraum immer kleiner wurde – Haben die vier Künstler die persönlichen Grenzen ihrer Kollegen durch das Reduzieren des eigenen Raumes überschritten? Oder ist Nähe das, wonach sie alle gesucht haben? Ein großes Fragezeichen steht am Ende des Stückes, das mit viel Akrobatik und Leben gefüllt war – Und wenn einer der vier Darsteller plötzlich keine Hose mehr anhatte, wunderte es kaum einen mehr.
Ein großes Lob an die vier Künstler aus Belgien, die neue Sichtweisen eröffneten.
Nachbar auf Urlaub
Wer bei einer Autopanne an viel Rauch und eine filmreife Explosion denkt, wurde bei „Nachbar auf Urlaub“ leider – oder glücklicherweise – enttäuscht. Statt klassischen Autoproblemen auf dem Weg ins Urlaubsparadies fiel der grüne VW Käfer der beiden Darsteller einfach in zwei Hälften auseinander. Aber nicht einmal das konnte die Urlaubsfreude der zwei Nachbarn trüben. Aus dem Zierdeckel des Reifens wurde eine Pfanne, aus dem gesamten Auto ein großes Karussell für zwei Stoffaffen. Aus Problemen wurde Lebensfreude, aus Missmut gute Laune. Nur Urlaub blieb Urlaub.
Hop
Ein sehr poetisches Stück, das auf die Ikarus-Sage aufgebaut ist, wurde mit viel Körpereinsatz und wenig Sprache gezeigt. Die Vater-Sohn-Beziehung zwischen in der Sage Dädalus und Ikarus und die Sehnsucht nach der Heimat wurde berührend gezeigt und führte dazu, sich selbst die Frage zu stellen, wo man denn eigentlich zu Hause ist. Am Ende ging man wohl etwas nachdenklich, aber auf alle Fälle bereichert aus dem Stück.
